Das Haus im Regal: Wenn Möbeldesign größer denkt.

Wie viel Architektur steckt in einem Regal? Diese Frage beantwortet Lukas Philipp Schulz in seiner Abschlussarbeit an der Hochschule Düsseldorf. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – und steht mittlerweile schon in dem einen oder anderen Wohnzimmer.

 

Das Konzept.


Drei schnelle Fakten.

  • Das Regal (Highboard) verkörpert die Parallelen zwischen Gebäuden und Möbeln
  • Berücksichtigt wurden insgesamt fünf verschiedene Materialien 
  • Erhaltene Auszeichnung und Abschlussnote: 1,0  

Der Kerngedanke.

Es erscheint zunächst widersprüchlich: Möbel - von dem lateinischen „mobilis“, übersetzt „beweglich“ - gelten laut Definition als versetzbare Einrichtungsgegenstände. Ein Bauwerk im Sinne der Gebäudearchitektur ist für gewöhnlich statisch. Dennoch muss es sie geben: klare Gemeinsamkeiten zwischen einem Gebäude und einem Möbelstück. Schon Größen vergangener Jahrhunderte wie Le Corbusier haben das erkannt, nur fehlen bislang weiterführende Umsetzungen.

 

Bis heute – dachte sich Lukas Philipp Schulz, der im Zuge seiner Bachelorthesis genau diese Parallelen recherchiert, konzipiert und entworfen hat. Möbeldesigner versuchen seit dem 20. Jahrhundert, vermehrt Möbel zu kreieren, die mit ihrer Umgebung interagieren. Architekten setzen sich mit Möbeln auseinander, um für den geschaffenen Raum gleichzeitig das passende Interieur zu finden. Parallelen zwischen den Betrachtungsgegenständen beider Disziplinen gibt es in jedem Fall.“  

 

Die Umsetzung.

Als Inspirationsquelle dienten dem Designer einfache Gebäudefassaden, die durch ihre offene Konstruktion die Etagenstruktur durchblicken lassen. Diese Offenheit kennzeichnet auch das Highboard. Verstaute Gegenstände sollen sich also nicht hinter Türen verstecken, sondern bühnenhaft präsentiert werden. Decke, Boden, Wand und Scheibenfenster gehören sowohl zum Regal als auch zum klassischen Gebäude. Auch Gitterroste, die maximal lieblos zur Abdeckung von Kellerschächten herhalten, wurden bewusst in die Gestaltung übernommen. Sauber lackiert und in aufrechter Position bilden sie ein klares Highlight im Design. Die verwendeten Materialien, darunter Blech, Drahtglas und Eichenholz, erfüllen mitunter auch beim Hausbau wichtige Funktionen.

 

Doch auch Unterschiede zwischen Gebäuden und Möbeln spielten bei der Umsetzung eine Rolle. Ein Raum ist im Gegensatz zu dem Regal nicht höhenverstellbar. Dazu ohrfeigen sich die Beine des Highboards und das flache Fundament eines Bauwerks. Fakt ist: Das Design bedient sich beiderlei Formen – und schafft dadurch ein außergewöhnliches Gesamtpaket aus Funktionalität, Gestaltungsklasse und Persönlichkeit.     

 

Kosten und Verkauf.

„Aktuell stehen wir in Kontakt und verhandeln über einen möglichen Verkauf“, verrät der Absolvent auf Nachfrage hin. In Kooperation mit einem Unternehmen aus dem Münsterland, das handgefertigte Möbel entwirft, soll das Regal bald auf den Markt kommen. Kalkulierter Preis: rund 2.000 Euro.  

 

Der Kopf dahinter.


Lukas Philipp Schulz.

Den gelernten Augenoptiker hat es nach seiner Ausbildung in Essen bewusst nach Düsseldorf gezogen: Das Studium im Bereich Applied Art & Design an der Hochschule Düsseldorf ist in der Form einzigartig – und besticht vor allem durch die fachliche Nähe zur Architektur. Hier besuchte der 29-Jährige Konstruktions-Kurse, die den fachgerechten Bau von Sitzmöbeln lehren. Wegweisende Erfahrungen machte er vor allem im westafrikanischen Ghana. „Hier habe ich in einem Zeitraum von sechs Wochen gemeinsam mit anderen Architektur- und Designstudenten der Hochschule Düsseldorf Häuser für Hebammen gebaut und mein Interesse an Architektur entdeckt.“ Aktuell wohnt Lukas in Flingern Süd und ist mit seinen Designs auf Instagram aktiv.

 

Sein Wissen zum Weitersagen.

  • Die alten Ägypter waren die ersten Möbelschreiner
  • Der klassische Schrank gilt als das „jüngste Möbelstück“
  • Möbeldesign und Architektur entwickeln sich zeitversetzt weiter, meistens liegen die Möbel ein Jahrzehnt zurück

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